Man quatschte mir problemlos eine Schrottimmobilie und alle möglichen Nebenjobs auf. So verkaufte ich plötzlich Parfum und Kosmetika und war davon überzeugt, erfolgreich sein zu können – denn man hatte es mir glaubhaft gemacht. Ich wurde geheiratet, und wir bekamen drei Kinder. Die Kosmetikfirma suchte einen Teilhaber und Geschäftsführer, und mein Ego fand sich in diesen Positionen ganz schnell wieder. Irgendwie schien mein Leben vom Glück geprägt zu sein. Ich konnte große Autos fahren und Boss-Anzüge tragen. Was ich damals nicht merkte, war, dass es gar nicht mein Leben war. Ich war der Absichtserfüller anderer, ohne es zu merken. Es waren nicht meine Entscheidungen. Es waren die Entscheidungen der anderen, denen ich ausgeliefert war und mir dann selbst einredete, dass es meine Entscheidungen und mein Wille waren.
Im Januar 1995 erschien mir im Traum ein Engel, stellte sich mir vor und gab mir zu verstehen, dass eine neue Zeit für mich käme.
Tatsächlich wurde alles anders. Obwohl die Kosmetikfirma gut lief und wir Millionenumsätze und zeitweise auch tolle Gewinne verzeichnen konnten, übernahmen wir uns mit den Investitionen maßlos. Der Vertrieb forderte immer bessere Konditionen, und genau genommen war weder ich noch mein Partner dem Ganzen gewachsen. Es wurde immer schwieriger, wurde zu einem Kampf, und Mitte 1996 waren wir zahlungsunfähig. Das Unternehmen ging bankrott. Die Gläubigerbanken machten Druck; ganz schnell war ich privat mittellos. In meiner Dummheit hatte ich das elterliche Haus einer Bank als Sicherheit überschrieben. Die Ehe zerbrach. Ich versuchte mich mit Jobs über Wasser zu halten, Unterhalt zu bezahlen und vor allem die Banken zu bedienen, damit es nicht zur Zwangsversteigerung des elterlichen Hauses kam. Meine Mutter hatte mir zu verstehen gegeben, dass sie nicht bereit war, diesen Fall zu überleben. Freunde hatte ich plötzlich keine mehr.
Der Druck und der Kampf waren unermesslich. Eine Wohnung oder ein Auto konnte ich mir längst nicht mehr leisten. Damals konnte ich gar nicht sehen, dass ich irgendwie immer ein Auto hatte, immer, mit wenigen Nächten Ausnahme, irgendwo ein Zimmer und fast immer etwas zu essen. Das Leben schickte mir Jutta, meine heutige Frau. Sie hat immer an mich geglaubt und stand nicht nur an meiner Seite, sondern hat mich in den schwierigsten Phasen getragen. Und das Leben schickte mir meinen Meister, der mir Zuversicht schenkte und mich die Meditation lehrte. Aber so, wie er aus dem Nichts erschienen war, ist er nach wenigen Monaten wieder verschwunden. Er ließ mir die Mahnung: „Meditieren Sie!“
In dieser Zeit versuchte ich alles Mögliche, um Geld zu verdienen und wieder Erfolg zu haben. Ich verkaufte Staubsauger, Lexika, Solaranlagen, Autos, Saxofone; wir machten Livemusik, entwickelten Schlafsysteme, Massagetechniken, Wasseraufbereiter. Ich bot Meditationskurse an – allerdings zu einer Zeit, als die Menschen noch darüber lächelten. Ich kämpfte mit Depressionen und half Jutta in ihrem Sonnenstudio, welches sie zunächst erfolgreich führte und uns über Wasser hielt. Aber auch hier kamen Veränderungen, und das Sonnenstudio brach unter unserer Last weg. Mein mittlerer Sohn lebte zwischenzeitlich bei uns und kostete uns viel Kraft.
Was ich die ganze Zeit nicht aus den Augen verlor, war das „Wissenwollen“. Ich wollte wissen, warum. Warum alles zusammenbrach und warum ich nichts mehr hinbekam. Ich meditierte täglich, und hin und wieder wurde eine meiner Fragen in der Meditation beantwortet. Einmal – wir waren inzwischen fünf Monatsmieten und sechs Monatsraten bei der Bank im Rückstand, ich befürchtete den Rauswurf aus der Wohnung und die Zwangsversteigerung des elterlichen Hauses – rannte ich völlig desillusioniert und verzweifelt durch den Wald und schrie lauthals: „WARUM?“ Und tatsächlich kam postwendend eine Antwort: „Damit du Vertrauen lernst! Du kannst nicht Vertrauen lernen, solange alles wunderbar läuft. Vertrauen zeigt sich in schwierigen Zeiten. Vertraue!“
Und so entstand aus zahlreichen Puzzleteilen im Laufe von zehn harten Jahren – einem Leben an der Grenze, immer zu wenig Geld, sich nichts leisten können, schlaflosen Nächten – allmählich ein Bild. Ein Bild, welches die Zusammenhänge aufzeigte, wie wir geprägt werden, wie unsere Muster entstehen, unsere Ängste vermieden werden, wie daraus unsere bewussten und unbewussten Absichten und Reaktionen entstehen und wir aus all dem unsere persönliche Realität erschaffen.
Sodann stellte sich die Frage, wie ich das alles verändern kann, wie Muster und Ängste verändert werden können. Die Kombination aus Wissenwollen und Meditation wurde allmählich immer effektiver, und es kristallisierte sich in weiteren Wochen eine konkrete Vorgehensweise heraus. Als dieses Vorgehen für mich Sinn ergab und feststand, entschied ich, diese bei nächster Gelegenheit anwenden zu wollen. Aber vorher wollte ich ein paar Lebensmittel im Lidl einkaufen gehen.
Ich werde es nie vergessen: Ich stand dann beim Lidl in der Schlange vor der Kasse, nur ein paar Sachen im großen Einkaufswagen, als ein junger Mann, der ein paar Artikel in den Händen hielt, rotzfrech an der Schlange vorbeidrängelte, um als Nächster an der Reihe zu sein.
Mein Puls schoss auf 150 und die Halsschlagader schwoll an. Just in dem Moment war es, als ob ich geführt würde. Der erste Schritt meiner vorbereiteten Technik – nämlich mit der Aufmerksamkeit das Gefühl im Körper zu suchen und zu lokalisieren – passierte wie von allein. Ich war Beobachter. In meinem Geist formulierte sich der zweite Schritt der vorbereiteten Vorgehensweise. Wie ich es formuliert hatte, konnte ich das Muster beobachten. Den emotionalen Ablauf in mir und die möglichen Verhaltensmuster, die damit verbunden waren. Ich konnte beobachten, wie ich den Drängler musterte und einschätzte, inwieweit er mir körperlich über- oder unterlegen war, um meinen „Angriff“, also das Maß meiner Aggression, darauf abzustimmen. Und gleichzeitig schossen mir Erinnerungen ins Bewusstsein. Es tauchte eine Szene aus der ersten Schulklasse auf, als meine damalige Sportlehrerin Frau Haas mich aufs Gemeinste respektlos behandelte. Eine andere Szene mit meinem Opa, der seinen Frust respektlos an mir ausließ. Und wieder eine andere Erinnerung mit meinem Vater. Immer wieder formulierte mein Verstand die vorbereiteten Fragen der Technik und beobachtete, was alles in und mit mir geschah. Es war eine Reise durch die Gefühle in meinem Körper. Plötzlich sprengte mein (seit Jahren verschlossenes) Herz auf, und die Verletzungen der Kindheit übermannten mich. Tränen flossen übers Gesicht – Tränen der Heilung.
Ich kann mich nicht erinnern, wie ich aus dem Lidl und nach Hause kam. Aber währenddessen entstand immer mehr ein Gefühl in mir, das ich zuvor noch nie gehabt und nicht gekannt hatte. Mein Verstand suchte verzweifelt nach Worten, um dieses Gefühl zu beschreiben und zu betiteln: Es war Respekt. Bislang war dieses Wort bei mir mit einer Angst verbunden – nämlich der Angst, nicht respektiert zu werden. Mir wurde klar, dass ich meinen Vater gar nicht respektierte; vielmehr hatte ich Angst vor ihm. Und nun war ich erfüllt von Respekt, von einem allumfassenden Respektiertsein und Respektieren. Ich war überwältigt.
Am Nachmittag war ich nachdenklich und beeindruckt im Wald joggen. Langstreckenlauf war in dieser Zeit für mich die einzige Möglichkeit, meine Depressionen in Schach zu halten. Ich lief täglich mindestens 10 Kilometer. Manchmal zweimal am Tag und manchmal auch 20 oder 30 Kilometer am Stück. Und so war ich aus Gewohnheit und Vorsorge im Wald auf einer meiner Strecken unterwegs. Aus dem Nichts tauchte ein herrenloser Hund knurrend und zähnefletschend vor mir auf. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich Zeit meines Lebens fürchterliche Angst vor Hunden. Auch den angeblich lieben „Der macht nichts“-Exemplaren traute ich nicht. Die Angst war immens. Ich hatte auf Drängen von Jutta sogar einmal eine Psychotherapeutin besucht, die mehrmals mit mir eine Konfrontationstherapie durchführte, aber das machte alles nur noch schlimmer.
So schoss der Puls, dem Hund im Wald gegenüberstehend, in Richtung Unendlichkeit. Doch trotz meiner Schockstarre war da wieder dieser Teil, der augenblicklich damit begann, die Angst im Körper zu suchen und zu lokalisieren. Die Fragen und Formulierungen wurden „abgearbeitet“, und es war seltsam: Einerseits tauchten wieder Erinnerungen aus der Kindheit auf. Diesmal Begegnungen mit meiner Mutter, in denen sie respektlos behandelt bzw. nicht respektiert wurde. Darunter viele Szenen, in denen ihr Vater, also mein Opa mütterlicherseits, respektlos mit Tieren umging. Mir wurde bewusst, dass ich nicht nur vor Hunden, sondern vor allen Tieren – selbst vor einem Hamster oder Wellensittich – Angst hatte. Angst, nicht respektiert bzw. respektlos behandelt zu werden. Und mir wurde bewusst, dass ich diese Angst allen Menschen gegenüber hatte und manchmal als „Angriff“ selbst respektlos war.
Nach der dritten Formulierung öffnete sich erneut mein Herz, ähnlich wie beim Lidl, und es erschien ein ähnliches Gefühl wie am Vormittag. Es war wieder eine Variante von „Respekt“, aber diesmal anders: bedingungslos und von Liebe erfüllt. In diesem Moment war die Angst vor dem Hund weg. Es war, als ob ich ihn plötzlich liebgewonnen hätte. Er war wie ein gleichwertiges Lebewesen, und mein Bedürfnis war es, dieses Lebewesen von ganzem Herzen zu lieben und zu respektieren. In diesem Moment lächelte mich der Hund liebevoll und freundlich an. Ja, in meiner Wahrnehmung lächelte er, und wir waren Freunde. Seit diesem Tag liebe ich alle Tiere, und sie lieben mich. Egal wo ich bin, die Tiere kommen zu mir und zeigen mir ihr Wohlwollen – ob das der Kettenhund oder der Stier auf der Weide ist. Wir begegnen uns mit Respekt und Liebe. Jahre später, als wir in Waldenburg lebten, meditierte ich oft im Wald. Nicht selten saß am Ende der Meditation, wenn ich die Augen öffnete, ein Eichhörnchen neben oder ein Reh vor mir.
Von da an begann ich, alle Ängste und alle negativen Situationen in meinem Alltag zu transformieren. Das nahm ich mir fest vor und setzte es auf meiner Prioritätenliste auf Nummer 1. Aus Ängsten und Mustern entsprangen die verborgenen打 Potenziale. Respekt ist eines davon. Eines von 118.
Schon am nächsten Tag, als der Gerichtsvollzieher vor der Tür stand – was für mich bislang immer ganz schlimm gewesen war –, konnte ich eine weitere Angst lösen und das Potenzial „Verantwortung“ zumindest in Teilen freilegen. An diesem Abend klingelte das Telefon, und ein Kunde aus dem Sonnenstudio fragte mich, ob ich ihm bei Renovierungsarbeiten helfen könnte. Er würde mich gut bezahlen, stellte er in Aussicht. Von dem Tag an verdiente ich wieder Geld. Aber viel erfüllender war das Gefühl, wieder eine Aufgabe zu haben.
Mit jedem gelösten Muster und jeder transformierten Angst gestaltete sich mein Leben freier und schöner. Jedes im Innen erarbeitete Potenzial verändert alles. Denn wie außen, so innen: Das Leben spiegelt dir, was du im Innen bist. Mit jedem Potenzial verändert sich die innere Einstellung und damit das Denken und das Handeln.
Der Lebenskampf wurde gelöst und durch inneren Frieden abgelöst. Die Ereignisse überschlugen sich, und es ergab sich, fast schon zufällig, die Gelegenheit, einen Vortrag über diese Methode zu halten. Und plötzlich, wie durch ein Wunder, hielt ich nur noch Vorträge. Die Menschen strömten zu mir, und die gebuchten Räumlichkeiten waren immer schneller ausgebucht. Es war ein Wunder. Gleichzeitig begegneten mir auf diesem Weg immer tiefer sitzende Ängste und Glaubenssätze. Die innere Arbeit war noch nicht zu Ende.
So wurde ich der Vorträge auch immer wieder mal müde, zog mich aus der Öffentlichkeit zurück und stellte fest, dass es noch mehr zu erarbeiten gab. So entstand das Verständnis für Süchte, Essstörungen, ja sogar für unser Denken und die damit verbundene Gehirnkapazität.
Immer wieder mal veranstaltete ich dann neue Vorträge, um das neu erarbeitete Wissen wieder zu teilen. 2022 lösten wir in Deutschland alles auf, und wir machten uns mit dem Wohnmobil auf eine Europareise. Inzwischen leben wir im Ausland, und ich biete meine Arbeit hauptsächlich in Online-Coachings und telefonisch an.
Alles ist möglich dem, der da glaubt und der da weiß, wie er selbst und sein Gehirn funktionieren.
Meine Erkenntnisse und Techniken kann man heute mittels eines Online-Kurses erlernen. Wer möchte, den unterstütze ich telefonisch oder per Zoom. Eine wirklich intensive und richtungsweisende Erfahrung ist es auch, wenn du ein paar Tage mit mir hier in Andalusien oder auf dem Segelboot im Mittelmeer verbringst. Du wirst zahlreiche alte Glaubenssätze, Ängste und Muster von Bord werfen können und als neuer Mensch zurück kommen.